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gegen S 21

Die Kampagne „JA zum Ausstieg“ wird von folgenden Initiativen unterstützt:  

 

Bahn schreibt Verpflanzung und Fällen von Bäumen aus...

Ihr wisst / Sie wissen  ja alle, dass die Bahn

die Bäume im Schlossgarten und Drumherum zur Fällung bzw. zur Verpflanzung ausgeschrieben hat.
Abgabetermin für Angebote:   Kurz vor Weihnachten 2011.
Zeitraum der Arbeiten:   Ab 15. Januar  bis  Ende Februar 2012.
Die kleineren Bäume sollen mit den unterschiedlich großen Rundspatenmaschinen (kennen wir vom Nordflügel), die großen mittels einer neuen Technik  (Plattformtechnik)  umgepflanzt  werden.
Äußerst aufschlussreich dabei der Passus, dass auch die zu verpflanzenden Bäume gefällt werden sollen, wenn sich kein geeigneter Standort findet.

Die Bahn hatte durch den  Gutachter  SIEGERT  ein Gutachten erstellen lassen.

Von Herrn Siegert führt der Weg zu der Nürnberger Firma  NUERNBERGER  BAUMPFLEGE.
Auf ihrer Homepage findet sich Folgendes:
----------------------------------------------------------
http://www.nuernberger-baumpflege.de/informationen/neu-grosbaumversetzung-durch-plattformtechnik/

Festzustellen ist: 

1. Die für eine Umpflanzung notwendige  " umfassende und langfristige Vorbereitung" 
    der Bäume gab und gibt es nicht.

2. Mittels Plattformtechnnik kann ein Baum  nur wenig weit "verrutscht" werden. 
    Schon wegen der Absenkung des Grundwassers könnten diese Bäume
    in wenigen Meter Entfernung vom bisherigen Standort auf keinen Fall überleben.
    Es gibt also keine geeigneten Standorte.

   
Das heißt:  all diese Bäume sollen gefällt werden! 


Dringende Bitte:    informiert  Euch / informieren Sie sich,

http://www.baumpaten-schlossgarten.de/?seite=aktuelles&id=16   


Stoppen wir das Wahnsinnsprojekt! 
Gegen Filz und Spekulantentum,
für Bürgerrecht und echte Demokratie!

 

 

"S21 - viel zerstört, nicht gewonnen" auf realfragment.de
http://www.realfragment.de/blog/index.php/2011/08/27/s21-viel-zerstoert-nichts-gewonnen
mit der Möglichkeit, einen Kommentar zu schreiben.

Und eine wie bekannt gekonnte Bildreportage von Lob: 
https://picasaweb.google.com/102312444829271982174/Freitagsdemo#slideshow/5645497167802345298

 

Zwei der wichtigsten Reden heute von der Großdemo "Baustopp für immer!"

Dr. Brigitte Dahlbender (BUND):
http://www.youtube.com/watch?v=-3n2fod-lZ4
Volker Lösch:
http://www.youtube.com/watch?v=fE11IqZVhPU

 

Einige Überlegungen zum Thema  ‚Kampf der Meinungen’   

Dr. Robert Schmittmann (Juni  2011) 

Über ‚Meinungen’ wird in den Medien immer viel geredet, es wird im demokratischen Kontext über den dringend notwendigen ‚Meinungsaustausch’ gesprochen und häufig auf das Recht auf ‚Meinungsäußerung’ gepocht. Übersehen wird dabei, dass das mit der ‚Meinung’ - psychologisch betrachtet - eine ganz schwierige Sache ist und deshalb viel Schindluder damit getrieben werden kann. Einige sortierende Gedanken sind dringend notwendig. 

1.  Informiert-Sein ist etwas anderes als eine Meinung haben

Der Begriff ‚Meinung’ ist auf der Ebene der Kommunikation relevant und wir fragen uns, wann redet man häufig von Meinung und wann täte man es besser nicht.  -  Es sieht so aus, als wäre es manchmal wichtiger, eine ‚Meinung’ zu haben, als gut informiert oder nachdenklich zu sein und auf dem ‚Marktplatz’ der Kommunikation spielt ‚Meinung’ offenbar ziemlich unreflektiert eine ganz große Rolle, die man als psychologisch denkender Mensch nicht so leicht nachvollziehen kann.

Wenn wir unsere Meinung äußern, ist nicht unerheblich dabei, dass wir uns für andere zu erkennen geben, zu welcher Gruppierung wir gehören und das muss offenbar schnell gehen. Geben wir uns zögerlich, zu gängigen Sachverhalten unsere Meinung zu sagen, und versuchen obendrein zu differenzierteren Überlegungen auszuholen, wird unser Gegenüber schnell nervös und fällt uns besserwisserisch ins Wort.

Über Meinungen zu reden, hat auf der Kommunikationsebene offenbar eine absolut vorrangige Funktion für Gruppenbildungsprozesse und Parteienbildung (zählt man zu denen oder denen?). Es sieht so aus, als wenn der Unterschied nicht mehr wahrgenommen würde, dass ‚Informiert Sein’ grundsätzlich etwas anderes ist, als ‚eine Meinung zu haben’ und dass es kein seltenes gesellschaftliches Phänomen ist,
· dass der Tatbestand des ‚Informiert-Seins’ auf verlorenen Posten gegenüber dem massiven Anspruch ‚eine Meinung-haben-zu-dürfen’  steht.

Solche Kollisionen kommen natürlich auch dadurch zustande, weil es viel leichter ist, eine Meinung zu haben, als sich zu informieren.  Deswegen liegt es für viele superschnelle, angeblich moderne Zeitgenossen stark im Trend, viel darin zu investieren, immer die richtige Meinung zur richtigen Zeit parat zu haben, statt in etwas mühsamere Prozesse des Sich-Informierens und Sich-Kundig-Machens einzutreten. Und weil das mit der Meinung auch noch viel einfacher und schneller geht, kann man nicht nur den zeitlichen Vorsprung konkurrenzmäßig anderen gegenüber ausnutzen, sondern das mit der Meinung scheint sich auch noch in manche rationierten und beschleunigten Arbeitsprozesse reibungsloser einzupassen. 

2.  Um was geht es, wenn es nicht um das ‚Wahr – Unwahr’ geht?

Treffen jetzt ein Vertreter des ‚Informiert-Seins’ und ein Vertreter des ‚Meinung-haben-dürfens’ zusammen, lässt normalerweise derjenige mit der Meinung  dem Informierten den Vortritt und hört ihm zu, weil der mehr zu sagen hat.  So sollte es eigentlich sein.

Normal sollte auch sein, dass man sich auf bestimmte Realitätswahrnehmungen von grundlegenden Sachverhalten einigen kann. Sich gemeinsam ein Bild von einer Sachlage zu machen – ich sehe das gleiche, was du siehst - , ist etwas sehr Wichtiges in sozialen Gefügen. Übrigens war das auch zunächst wesentlicher Bestandteil der Schlichtung bei Stuttgart 21: Eine gemeinsame übereinstimmende Sicht auf gravierende Mängel des Projekts führte zwischendurch sogar zu der Äußerung des Schlichters H. Geißler: „Wenn das so ist, dann darf man den Bahnhof nicht bauen“ und den Kritikern (Boris Palmer) wurde daraufhin sogar ein Job bei der Bahn angeboten. -  Da war man auf dem Boden der gemeinsamen Realitätswahrnehmung, es konnte kurzfristig friedlich und es hätte konstruktiv weiter gehen können, wenn das nicht mit der ‚Meinung’ gewesen wäre.

Bei dem Mühen und Ringen um eine möglichst unverfälschte Wahrnehmung der Realität befindet man sich seit 2500 Jahren im Bereich der Wissenschaft, die den Code ‚wahr - unwahr’ verwendet. Dieser Code ist seit einiger Zeit in großer Gefahr; Geld und Wirtschaftsinteressen versuchen ihn zu degradieren (s. Guttenberg- Affäre).    

Die Zeiten für eine Demontage scheinen gefährlich günstig: Je unübersichtlicher und undurchschaubarer eine Informationslage nämlich ist oder gestaltet wird, um so eher kann die Kommunikation vom überprüfbaren Code ‚wahr - unwahr’ weggeführt werden. Es geht dann eher in Gesprächen um den meinungsbildenden und gruppendynamisch wirksamen Code: ‚Ist man der einen oder anderen Meinung’ und wenige merken noch, dass es eigentlich darum gehen müsste, sich eine bessere Informationsbasis zu verschaffen. 

3.  Wenn das ‚Informiert-Sein’ , wenn Arbeit nichts mehr wert ist

Es gibt gravierende Auswirkungen, wenn die Zustimmung und Annahme einer Realitätswahrnehmung (Ich sehe, was du siehst) verweigert wird und das passiert, wenn eine Seite weiter darauf beharrt, weiterhin anderer Meinung zu sein, ohne auf die angebotene sachliche Informationsebene eingegangen zu sein.  Sie riskiert den Abbruch der Kommunikation.

Das kommt nämlich einem Abwerten gleich und lässt dem Gegenüber nur die Möglichkeit, vehement aus dem System auszusteigen oder depressiv zu werden  oder auszuflippen.  Diese Art Kommunikation des Ignorierens und Über-etwas-Hinweggehens wird nicht selten (in Firmen) bewusst praktiziert und hat zerstörerische Wirkungen für Sozialsysteme. Eine loyale Kommunikationsgemeinschaft funktioniert nur, wenn das, was vom anderen als wichtig reingegeben wird, hier immer als ein vollgültiger Beitrag bestätigt und gewürdigt wird. (Die Entwertung der Arbeit anderer birgt immer sozialen Sprengstoff. 

4.  Das Spiel der Meinungen in großen organisatorischen Kontexten 

Die zunehmende Undurchschaubarkeit und Unübersichtlichkeit der Welt, das unaufhaltsame Aufblähen großer Organisationen und Konzerne begünstigen solche Prozesse der Entwertung und der Demontage des Codes ‚Wahr – Unwahr’. Sie sind deshalb für den einzelnen Menschen und für unsere ganze Welt ein riesiges Problem:

·        Den meisten darin arbeitenden Menschen fehlt der Zugang zur jeweiligen Informationsbasis und der Überblick auf relevante Realitäten in vielerlei Hinsichten.

·        Und was noch schlimmer ist, sie sind verführt dazu und gewöhnen sich daran, ihr Handeln mit dem Habitus großer Überzeugtheit auf eine ganz schwache Informationsbasis zu stellen.

Dem größten Teil der in den oberen Rängen arbeitenden Angestellten in Konzernen bleibt nicht anderes übrig, als auf dieser sehr schmalen und wackeligen Ebene der Meinungen zu agieren. Diese Unsicherheit darf aber nicht auffallen und jeder dort Arbeitende weiß, dass er dies mit einer bewusst zur Schau gestellten Sicherheit kaschieren muss.

Das Spiel der Meinungen kann hier ohne jeden Bezug zu relevanten Realitäten für die Kämpfe um die besten Plätze in der Hierarchie der Konzerne benutzt werden. 

Es geht dann um heroische Entscheidungen, die nicht laufend neu reflektiert und korrigiert werden sollen, sonst kann nicht gemeinsam ‚marschiert’ werden. Darauf bauen Organisationen auf. Hierarchien bedingen dann zudem, dass nicht alle optimal über alles informiert sein können und auch nicht sollen. Je größer Organisationen sind, um so geringer ist die spezielle oder überblickshafte Kenntnis über Sachen und Personen.  - Dennoch werden jedoch Äußerungen zu vielen Sachverhalten von den Beteiligten verlangt und das können nur passend gestaltete Meinungen sein.  

5.  Das Hauptthema: Wer liegt im Kampf der Meinungen vorne

Von Meinung reden wir also in organisationsbedingten Entscheidungskontexten meist dann, wenn das bewertende Kommentieren auf einer schwachen Informationsbasis erforderlich ist und die Kommunikation mit einem speziellen Code ‚stimme zu - stimme nicht zu’ darauf aus ist, herauszufinden, wie viele sich dem einen oder anderen Statement anschließen, damit es in großen Gruppen weitergehen kann. Das findet explizit in der Meinungsforschung und bei Wahlen seinen Niederschlag, weil hier etwas abfragbar und statistisch erfassbar sein muss.

An der gezielten Beeinflussung von Meinungen zu ihrem Gunsten sind verschiedene Gruppierungen in unserer Gesellschaft interessiert, und gerade dann, wenn die sichtbare Faktenlage gegen etwas spricht. Der ‚Kampf der Meinungen’ in Talkshows bietet sich dann zur Verschleierung der Informationslage und Verwirrung der ‚Gegner’ an. Deswegen werden hier auch wenig Sachverständige eingeladen und gehört.  Warum? – Weil man ansonsten nicht so lange reden könnte.

‚Meinungsmacher’ können über die Herstellung von sogenannten ‚Meinungsbildern’ in den Medien gruppendynamisch noch einen Mechanismus nutzen: Weil der normale Alltagsmensch mangels direkten Zugangs zu Informationen nur auf sehr vage Einschätzungen häufig angewiesen ist, neigt er dazu, seine Unsicherheit durch die Orientierung in seiner sozialen Umgebung wettzumachen und schließt sich auf der Ebene der nicht zu komplizierten Meinungen liebend gerne einer Mehrheit oder Glanzprospekten an. -  Das mediale Herbei-Reden von Trends hat hier bei anvisierten großflächigen ‚Meinungsverschiebungen’ einen hohen Stellenwert und funktioniert natürlich ohne fundierte Informationsbasis reibungsloser. Die Presseabteilung der Bahn leistet in letzter Zeit beste Medienarbeit. 

6.  Auf die Abläufe um das Großprojekt S 21 bezogen 

Von der Bewegung gegen S 21 wurde über Jahre hinweg mit viel Einsatz versucht, auf der Ebene der Realitätswahrnehmung möglichst viele Informationen zu gewinnen, um der Allgemeinheit und der Stadt letztlich viel Schaden zu ersparen. Das sollte immer ein wichtiger Beitrag für das Gemeinwohl sein.

In der Schlichtung wurde von der Bewegung mit großem Aufwand eine möglichst große Informationsbasis geschaffen. Sie stellte damit eine von verschiedenen Fachleuten erarbeitete Faktenebene zur Verfügung, auf der eindeutig geurteilt werden konnte. Danach konnte man deutlich zu dem Schluss – nicht der Meinung - kommen, dass das Großprojekt viel zu viel Schaden und Risiken in verschiedenen Richtungen erzeugt. -  Aber was passierte danach? -   

7.  Es kann und darf nicht auf der Meinungsebene lapidar weitergehen

Die durch den Fakten-Check mühsam erarbeitete Informationsbasis wurde schlichtweg  ignoriert und man  kommunizierte weiter auf der Meinungsebene, nach dem Motto: Jeder kann ja seine Meinung haben. -  Hier eben nicht !! - 

·        Das Schlimme an dem Schlichterspruch war, dass er an der für jedermann offensichtlichen Faktenlage vorbei die Kommunikation über Meinungen wieder einläutete und den Medien das Beackern des weiten lukrativen Feldes des ‚Meinungsaustausches’ für ihre Talkshows  erhalten hat. 

Den Klagen der Befürworter, man dürfe zu Stuttgart 21 seine Meinung nicht mehr sagen, kann man nur beipflichten.   -  Die Situation ist nämlich in einem Sinne schon sehr außergewöhnlich:  Jeder konnte sich nämlich bei dem öffentlich gesendeten Fakten-Check sachkundig machen. Jede Begegnung zwischen einem meinungsbeharrenden Befürworter und einem gut informierten Projektgegner muss deshalb zur Farce werden, weil die Kommunikation mit einer solch grundlegenden Ignoranz der Informationslage nicht weiter gehen kann.

·     Der ansonsten lapidare ‚Kampf der Meinungen’ funktioniert hier wegen der Informiertheit der Bürger nicht mehr.

Die Presseabteilungen der Konzerne haben erst nach und nach kapiert, dass sie hier enorm aufrüsten müssen, weil sie nicht so ein leichtes Spiel haben wie bei Projekten auf der freien Wiese.  

8.  Organisationsmensch trifft auf Normal-Mensch

In Stuttgart ist nämlich über die lange Zeit der Bewegung eine außergewöhnliche Situation entstanden: Hier prallt die Mentalität der Konzern-Menschen mit völligem Unverständnis auf die Mentalität der noch selbständig denkenden und rundum informierten normalen Menschen, der auch Zweifel zulassen kann.

Gut funktionierende Organisations-(Konzern)-Menschen können keine Bedenken und Zweifel zulassen, weil man dann nicht mehr in einem Konzern zielgerichtet und karriereorientiert arbeiten kann. Man zieht etwas informationsgereinigt mit Scheuklappen bis zum bitteren Ende durch, die jeweiligen Schäden tragen  andere, meist auch die Allgemeinheit, während man selber schon wieder weiter gezogen ist. Damit stellen nicht nur Konzerne an sich, sondern auch Züchtungen von Konzern-Menschen eine Gefahr für die Menschheit dar (erhellende Beispiele gibt es zur Zeit genug).

Wichtig zu erkennen ist jetzt, dass die Projektleitung von S 21 nicht nur einfach die  verunsichernde und unangenehme Informationsbasis ignoriert, sondern  gezielt versucht, alle Diskussionen weiter auf der Ebene der Meinung zu halten und hier die Kommunikationskanäle für notwendige Informationen zu verstopfen. Das ist auch das Terrain der Etikettenschwindler und Verkaufstrategen. Das ist aber eine andere Geschichte  (s. gleichnamigen Aufsatz).

Dr. Robert Schmittmann
Rotenbergstr. 170
70190 Stuttgart
0711- 2865913
www.schmittmann-coaching.de
Mail:
robertschmittmann@gmx.info

 

 

11. Gebot: Du sollst den Kern nicht spalten! 

Offener Brief an Angela Merkel von Franz Alt

In einem Offenen Brief hat sich Franz Alt an die Bundeskanzlerin gewandt. Er erinnert darin Angela Merkel an ein Gespräch, das er zusammen mit Hermann Scheer mit ihr geführt hat und an ihre Verdienste um die Schaffung von IRENA. Franz Alt fordert die Kanzlerin auf, mit aller Kraft den Weg frei zu machen für die regenerativen Energien. Wir veröffentlichen hier den Text des Briefes von
Franz Alt im vollen Wortlaut:
___________________________________________________________________

Liebe Angela Merkel,

viele konservative Politiker sagen jetzt, „Japan“ sei schuld am Wahlausgang in Baden-Württemberg.
Die Wahrheit ist, dass längere Laufzeiten für deutsche AKW nicht in Japan, sondern in Berlin beschlossen wurden.
Realisten haben schon immer mit dem atomaren Restrisiko rechnen müssen,
das wir jetzt auf so grauenvolle Weise erleben.

2004 – Sie waren Oppositionsführerin im Bundestag – diskutierten wir beide über Atomenergie.
Wir stimmten darin überein, dass ein GAU oder Super-GAU nur selten vorkomme, aber dann das Leben von Millionen Menschen gefährdet sei. Einen Sechser im Lotto gibt es auch nur in der Relation 1: 137 Millionen mal. Aber es gibt ihn bekanntlich fast in jeder Woche, weil sich viele beteiligen. Das heißt: Je mehr AKW laufen, desto sicherer wird ein GAU oder Super-GAU. Ihr Parteifreund Günther Oettinger hat jetzt gesagt: “Japan war undenkbar”. Dann hat der EUKommissar eben nicht genug gedacht! Frank Schirrmacher in der FAZ: “Selbst die sichersten Atomkraftwerke der Welt sind nicht sicher.“ Das ist jetzt wohl sicher.

2007 war ich zusammen mit Hermann Scheer – dem Träger des Alternativen Nobelpreises, Vater des Erneuerbaren-Energien-Gesetztes und erfolgreichsten Solarpolitikers der Welt – bei Ihnen im Kanzleramt. Scheer bat Sie, sich zu engagieren für eine Internationale Agentur für Erneuerbare Energien. Das taten Sie und brachten schon 2009 143 Regierungen dazu, die IRENA (International Renewable Energy Agency) zu gründen.
Das ist Ihre große internationale Leistung für die Erneuerbaren.
Der Sozialdemokraft Hermann Scheer und ich waren beeindruckt von Ihrer Tatkraft
für die nachhaltigen Ökoenergien. Dafür bin ich Ihnen immer dankbar.

2009 haben Ihnen die Verbände der Erneuerbaren Energien eine Studie überreicht, die aufzeigt, dass Deutschland bis 2020 bereits 47 % seines Stroms ökologisch erzeugen kann.
Ihre überraschende Reaktion: „Aus meiner Zeit als Umweltministerin weiß ich, dass ihre Prognosen nicht nur immer eingetroffen sind, sondern übertroffen wurden.“ Selbst Greenpeace und die Grünen
haben das schnelle Wachstum der Ökoenergien lange unterschätzt, weil sie nicht an die gesellschaftliche Dynamik neuer zukunftsfähiger Technologien glauben wollten. Die großen Energieversorger überschätzten in derselben Weise ihre fossil-atomaren alten Energieträger.
Warum aber haben Sie, liebe Angela Merkel, die es besser wusste, längere Laufzeiten für AKW gewollt? Warum nur?

Warum wurde unter Ihrer und Helmut Kohls Führung die Partei mit dem hohen C so dogmatisch atomgläubig?
Ich bin wegen der Atompolitik der CDU 1988 aus der Partei ausgetreten, weil ich als Christ und Humanist das atomare Glücksspiel nach Tschernobyl vor meinem Gewissen nicht mehr verantworten konnte.
Tschernobyl wurde mein Damaskus.

Was also jetzt tun? Lassen Sie sich jetzt wieder von Hermann Scheer inspirieren. Er hat uns kurz vor seinem Tod im vergangenen Herbst mit seinem Buch “Der energetische Imperativ – 100% jetzt – Wie der vollständige Umstieg auf erneuerbare Energien zu realisieren ist” ein kostbares politisches Vermächtnis hinterlassen. Er zeigt darin, dass und wie Deutschland und Europa bis 2030 komplett auf Erneuerbare umsteigen können – ganz konkret und praktisch und unwiderlegbar.
Die ethische Frage ist spätestens durch Tschernobyl und durch Scheers Buch beantwortet:
Atomtechnik ist ein Anschlag auf die Schöpfung. Atomenergie ist keine Brücke ins Zeitalter der Erneuerbaren, sondern eine Barriere. Schon heute müssen an manchen Tagen Windräder und Solaranlagen abgeschaltet werden, weil die Netze den vielen Strom nicht mehr aufnehmen können.

Der Philosoph Günther Anders hat schon am Beginn des Atomzeitalters gesagt: „Was alle treffen kann, betrifft alle.“ Unser Problem ist, dass wir uns oft nicht mehr vorstellen, was wir mit heutigen Großtechnologien anstellen. Millionen Menschen sehen jedoch die Atomenergie jetzt als das, was sie schon immer war: als schöpfungswidrig.

Nach Harrisburg, Tschernobyl und Fukushima müssen wir ein 11. Gebot lernen:

Du sollst den Kern nicht spalten!

Die politische und die wissenschaftliche lasse dürfen nicht länger glauben, dass wir jede Großtechnologie fest im Griff haben. Im Zweifel hat diese uns im Griff. Die alten religiösen Fragen bekommen im Atomzeitalter eine ganz neue Dimension. Religiös sein heißt heute, die Heiligkeit des Lebens und der Schöpfungsordnung achten. Die Erhaltung des Lebens ist eine urkonservative Aufgabe nachdem wir am Abgrund der
selbst gebastelten atomaren Hölle ratlos und hilflos angelangt sind wie uns die Fernsehbilder aus Japan seit Wochen beweisen. Wann je haben wir ausgerechnet „Experten“ so inkompetent und so hilflos gesehen wie in diesen Tagen! Die Angst von Millionen Menschen zeigt aber, dass unsere Instinkte gegenüber realen Gefahren noch funktionieren. Angst vor der Atomgefahr ist keine Feigheit, sondern funktionierender Überlebensinstinkt, der auch in Wahlen zum Ausdruck kommt.

Machbarkeit ist kein Gott, sondern ein Götze! Atomtechnik, Schnelle Brüter, Wiederaufarbeitungsanlagen sind keine „Spitzentechnologien“, sondern Todesfallen.
Jedes außer Kontrolle geratene AKW ist eine potentielle Atombombe. Plutonium ist in  j e d e r  Dosis schädlich.
Es hat eine physikalische Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Dagegen ist die Halbwertzeit des menschlichen Gedächtnisses sehr kurz. Wie soll solche “Spitzentechnologie” je verantwortbar sein?
Dieser Machbarkeitswahn ist schlicht Größenwahn! Christlich gesprochen: Eine Gotteslästerung!

Mit dem Chef der Aufräumarbeiten in Tschernobyl, dem Atomphysiker Professor Wladimir Tschernousenko, war ich befreundet. Er war über Jahrzehnte ein glühender Anhänger der Atomenergie.
Der Super-GAU aber hat auch ihn verstrahlt und zum Atomgegner werden lassen.
In einem Fernseh-Interview habe ich ihn gefragt, wie sicher die deutschen AKW seien.
Er hatte sie alle besucht. Seine Antwort: “Sie sind sicherer als die russischen. Das aber heißt, dass sie etwas später explodieren werden.” Wir könnten wissen, dass es nie sichere AKW gab, nicht gibt und niemals geben wird.
AKW sind auch keine Antwort auf den Klimawandel. Man kann ein Problem nicht dadurch lösen, dass man ein anderes schafft. Der strahlende Atommüll belastet tausend Generationen nach uns.

Die erneuerbaren Energien sind weitgehend ungefährlich, bei massenhafter Produktion der Technik auch preiswert und den Stoff gibt es umsonst. Sonne, Wind und Wasser schicken keine Rechnung.
Es sind Geschenke des Himmels. Diese umweltfreundlichen Rohstoffe stehen für alle Zeit zur Verfügung.
Eine Solaranlage ist in drei Tagen, ein Windrad in drei Wochen und eine Biogasanlage in drei Monaten errichtet.
Worauf warten wir denn noch? Millionen Dächer stehen allein in Deutschland noch immer umsonst in der Gegend herum.
Und wir holen teures Öl aus Arabien, Gas aus Sibirien und Uran aus Australien für jährlich etwa 80 Milliarden Euro hierher.
Moderne Energieversorgung kann wesentlich intelligenter, preiswerter und umweltfreundlicher mit heimischer Energie organisiert werden.
Allein die Sonne schickt uns theoretisch 15.000mal mehr Energie auf diese Erde als alle Menschen zurzeit verbrauchen.
Der Wind 308mal mehr und die Wellen- und Strömungsenergie 76mal mehr.
Hinzu kommen die Wasserkraft, die Bioenergie und die Geothermie.
Es fehlt nicht an erneuerbarer Energie, aber die Zeit wird im Angesicht des Klimawandels immer knapper.

Die Deutschen haben nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb von etwa 10 Jahren das von der ganzen Welt bestaunte Wirtschaftwunder geschafft.
Und innerhalb von 20 Jahren soll heute der Umstieg auf 100 % Erneuerbare nicht möglich sein? Diese Behauptung ist eine Beleidigung jedes deutschen Ingenieurs. Deutsche Techniker sind bereits Technologieführer bei Sonnenenergie, Windkraft und Biogas-Anlagen.
Richtig ist, dass wir noch Netze, Speicher und Leitungen brauchen. Das schafft Arbeit und Arbeitsplätze in Zukunftstechnologien.
Pumpspeicher-Kraftwerke, Druckluftspeicher-Kraftwerke, Kombi-Kraftwerke mit Biogasanlagen, Windrädern und Solaranlagen, solar erzeugter Wasserstoff, die Kombination von Wasserkraft und Windparks, aber auch zehntausende Elektro-Autos, die miteinander vernetzt sind und Kraft-Wärme-Kopplung – so heißen die Speichertechnologien von morgen.
An vielen Orten wird an effizienteren Batterien geforscht. Und Bioenergie, Wasserkraft, Wellenenergie und Erdwärme sind von Natur aus gespeichert und speicherbar. Schon 2012, sagt Deutschlands größter Solarkonzern Solarworld, ist Solarstrom in jedem Keller über eine Batterie speicherbar.
Die Lösungen sind bekannt. Wir können heute ein ökologisches Wirtschaftswunder mit Millionen neuen, zukunftsfähigen Arbeitsplätzen organisieren.
Die Probleme einer dauerhaften fossil-atomaren Energieversorgung sind hingegen grundsätzlich nicht lösbar.
Schon deshalb, weil die alten Rohstoffe allesamt zu Ende gehen.

Eine dezentrale Energiestruktur, getragen von vielen neuen Stadtwerken, Millionen Hausbesitzern, hunderttausenden Mittelständlern, Handwerkern und Bauern braucht weniger Leitungen als die heutigen zentralen Strukturen. Windräder auch im Süden sind preiswerter als lange Leitungen für Windstrom von Nord nach Süd. Wir müssen im Süden nur 20 Meter höher mit den Windmühlen und haben dann Windverhältnisse wie an der Küste.

Gestalten Sie, Frau Merkel, die Energiewende nach dem Subsidiaritätsprinzip der katholischen Soziallehre, also von unten nach oben.
Dies wäre beste CDU-Tradition.

Bis 2017, so hat das Bundesumweltamt ausgerechnet, können in Deutschland alle AKW abgeschaltet werden.
Das Motto Ihrer ersten Regierungserklärung, liebe Angela Merkel, hieß: “Mehr Freiheit wagen”.
Also, machen Sie jetzt eine Energiepolitik nach dem schönen Motto “Bürger – zur Sonne, zur Freiheit”.
Erneuerbare Energien brauchen allerdings erneuerbare Regierungen.

Sonnige Grüße

Ihr Franz Alt